Tierwanderung in Kenia und Tansania

23.12.2016 Allgemein

Der Kampf ums Überleben hat in der Serengeti eines der erstaunlichsten Naturschauspielen hervorgebracht, die „Great Migration“, im Deutschen die große Wanderung der Tiere genannt.

Die Migration in Kenia und Tansania

Die Serengeti, eine baumarme Savanne im Norden von Tansania erstreckt sich auf etwa 30.000 km² von den östlichen Ausläufen des Lake Victoria bis nach Kenia in die Massai Mara hinein. Die Serengeti ist einer der spektakulärsten Naturräume der Erde und eines der Highlights bei einer Reise durch Afrika.
Jährlich macht sich eine große Herde von mehr als einer Million Gnus, begleitet von Hunderttausenden Zebras und Gazellen auf die Reise durch die Serengeti und die Massai Mara. Getrieben von der Suche nach frischen Gräsern und Wasser, folgen sie dem Regen und legen jährlich um die 3.000 Kilometer zurück. Gnus haben für gewöhnlich keinen Anführer und demnach teilen sie sich in Herden auf und machen sich oft auf in eine komplett andere Richtung, als die, die sie gestern gewählt haben.
Deswegen ist es am besten sich die Tierwanderung als eine große Herde vorzustellen, die von mehreren kleinen Gruppen umgeben ist. Aber bei dieser Reise gibt es auch Gefahren, denn Raubtiere wie Hyänen, Löwen oder Geparden lauern den Herden auf und jagen sie.

Hier finden Sie Ihre Reise zur Tierwanderung

 

Große Tierwanderung Kenia Tansania

Die große Migration – detailliert Monat für Monat

Als grobe Richtlinie gilt, dass die Tierwanderung beginnt im Januar bis April im Süden der Serengeti in Tansania startet und etwa im November ganz im Norden in der Massai Mara in Kenia endet, bevor sich die Tiere auf den Rückweg machen.

Im folgenden einen Überblick über jeden Monat des Jahres:

Januar:

Die Tiere haben die nördlich gelegene Massai Mara bereits Anfang Dezember verlassen und somit schon eine lange Reise hinter sich. Trotz der Trockenzeit sind die ausgedehnten Grasflächen im Süden der Serengeti dank der vergangenen Regenzeit noch grün und saftig. In den südlichen Ebenen ist die Kinderstube der Savannentiere, die Gnus und Zebras versammeln sich um im Februar ihre Jungen zu bekommen.

Februar:

Immer noch halten sich die großen Gnu- und Zebraherden in den Gras-Ebenen der südlichen Serengeti auf: in der Ndutu, im Südosten von Seronera und nördlich der Ngorongoro Conservation Area. In diesem Monat werden zahlreiche Gnu-Kälber geboren – bis zu 500.00 in einem Zeitraum von nur zwei bis drei Wochen. Da die Jungtiere als die vermeintlich leichteren Opfer gelten, sind sie der steten Gefahr von Raubtieren ausgesetzt. Doch durch die Massengeburt steigern sich die Überlebenschancen der Kälbern. Bis etwa März werden sich die Tiere noch in den Ebenen aufhalten, solange das Gras grün und saftig ist.

März:

In der Region beginnen in den Monaten März und April starke Regenfälle, welches der Startschuss für die Fortsetzung der Wanderung der Tiere in die nordwestliche Richtung ist. Gerade rechtzeitig, denn die südlichen Ebenen sind nun so gut wie abgegrast und die Jungtiere stark genug, um die große Reise anzutreten.

April:

Im April herrscht im normal Fall kein Wassermangel, denn der Höhepunkt der Regenzeit wurde erreicht, es regnet an etwa 15 Tagen des Monats. Die Savanne der Serengeti hat sich verwandelt, nun ist es ein grünes Paradies, welches die Gnus, Zebras und Gazellen mit ausreichend Nahrung versorgt. Jetzt beginnen die Tiere ihre Reise nach Norden, falls sie sich Ende März noch nicht in Bewegung gesetzt haben.

Mai:

Im Mai gelangen die Herden in den „Western Corridor“, der Serengeti, von den Naabi-Hügeln kommend, folgen sie Mbalageti Fluss. Im laufe des Monats endet der Regen und die Herden verlassen die Seronera Ebenen und gelangen schließlich in die Region des Grumeti Flusses.

Gnumigration Kenia Tansania

Juni:

Die Trockenzeit beginnt mit viel Sonne und klarem Himmel, das bietet spätestens in der zweiten Monatshälfte beste Safari Bedingungen. Die Tierherde weilt bis Ende Juni in der Grumeti-Region, je nach Wasserstand macht sie sich noch im Juni oder Anfang Juli an die Überquerung des Flusses. Bei der Durchquerung des Grumeti Flusses erwartet sie eine weitere Gefahr durch Krokodile, die im Fluss auf Beute lauern. Bevor die Gnus sich an die Überquerung wagen, bilden sie Gruppen, so dass die Dichte an Gnus extrem hoch werden kann. Sobald ein Tier den ersten Schritt wagt, gibt es kein Halten mehr.

Juli:

Die Trockenzeit  beginnt im Juli in der Serengeti. Spätestens jetzt ist die Region um Seronera und südlich des Grumeti abgegrast. Wenn die Überquerung des Flusses im Juni noch nicht stattgefunden hat, ist es jetzt so weit. Der Wasserstand des Grumeti ist jetzt durch die Trockenzeit niedrig genug für eine Überquerung. Diese Überquerung ist die erste von zwei Flussüberquerungen bei denen sich die Tiere ins Wasser stürzen, um an den Krokodilen vorbei ans andere Ufer zu gelangen. Bei erfolgreicher Ankunft am Ufer geht die Tierwanderung weiter in Richtung Norden.

August:

Grünes ist wieder aus der zentralen Serengeti, aufgrund der anhaltenden Trockenzeit, verschwunden. Die verbleibenden Wasserlöcher sind jetzt von hoher Bedeutung. Manchmal erreicht die Herde schon Ende August Kenia, in extrem trockenen Jahren ist sie jedoch gezwungen sich in weit verstreuten Gruppen in Tansania aufzuteilen. So findet man statt der großen Herde viele kleine, teilweise in den Regionen um den Grumeti und in Ikorongo, andere Kleingruppen befinden sich hingegen schon viel weiter im Norden in Richtung Massai Mara.

Gnuwanderung

September:

Im September führt die große Wanderung die Tiere in die Massai Mara, das kenianische Gebiet der Serengeti. Hier treffen sie auf ihr größtes Hindernis, den Mara River, denn diese Überquerung ist spektakulärer als die Grumeti Überquerung. Die Weidenflächen der Massai Mara wurden jetzt erreicht, dort finden Sie trotz der Regenzeit ausreichend Wasser. Den Monat Oktober verweilen sie dort, bis der Rückmarsch in Richtung Süden im November beginnt.

Oktober:

Im Oktober gibt es die ersten Schauer, insofern die Regenzeit planmäßig beginnt, so dass die Gnuwanderung wieder zurück in den Süden führt. Den Zeitpunkt der zweiten Überquerung des Mara River kann man nicht genau voraussagen, sie kann sehr früh, im September, oder recht spät, erst Anfang November erfolgen. Wenn zwischen den beiden Überquerung nur einige Tage liegen, ist das alles andere als ungewöhnlich. Nach der Rückkehr der Tiere nach Tansania geht die Migration über Loliondo und Lobo zurück in die südliche Serengeti. Diese wird pünktlich zum ersten frischen Gras, im November, erreicht.

Tierwanderung Kenia Tansania

November:

Im November haben die Tiere je nach Jahresverlauf die Gras-Ebenen der südlichen Serengeti wieder erreicht, sind noch bei ihrer zweiten Überquerung des Mara River oder die Gnus und Zebras sind bereits auf dem Weg nach Süden.

Dezember:

Nun befindet sich die große Herde wieder versammelt im Süden, am Ausgangspunkt der Reise oder kommt spätestens jetzt dort an. Die Tiere finden hier genügend Nahrung, bevor der Zyklus sich mit der Geburt der Jungtiere im nächsten Jahr wiederholt.

Beste Reisezeit für die Serengeti und die Massai Mara

Da die Migration Jahr für Jahr dem gleichen Muster folgt und markante Punkte, wie die Flussüberquerungen, jedes Jahr an den gleichen Stellen stattfinden, ist die Great Migration ein recht gut zu beobachtendes Naturschauspiel.

Die Beobachtung der Tierwanderung ist demnach ganzjährig möglich. Der Oktober ist natürlich der optimale Monat für eine Kenia Reise oder eine Tansania Reise wenn man die spektakuläre Überquerung des Mara River beobachten möchte.

Die besten Reisezeiten für eine Tansania Safari-Reise hängen von Beginn und Ende der Regenzeiten ab. In diesen Gebieten gibt es zwei Regenzeiten, die „Große Regenzeit“, welche von Anfang März bis Ende Mai andauert und die „Kleine Regenzeit“, die sich von Anfang November bis Mitte Dezember erstreckt. Der Beginn, die Dauer und die Ausprägung der Regenzeiten kann jedoch von Jahr zu Jahr starken Schwankungen unterliegen und lässt sich daher nur bis zu einem gewissen Grad vorhersagen. Wenn man die Regenzeit während seiner Kenia/Tansania Individualreise vermeiden möchte, um auch den schlecht befahrbaren Straßen aus dem Weg zu gehen, ist eine Reise in der Trockenzeit passend. Die Trockenzeit herrscht in Kenia in etwa von Mitte Dezember bis Anfang März und von Anfang Juni bis Ende Oktober.

 

Gefahren

Die Wanderung steckt voller Gefahren, denn die Routen durch die Savannen werden von Raubtieren, wie zum Beispiel dem Löwen, Hyänen oder Geparde regiert. Sie begleiten die Herden und halten nach schwachen und alten Mitgliedern Ausschau, sie jagen Zebras und Gnus. Die Migration ist die Garantie für das Überleben der großen Anzahl der Raubtiere. Würden die Tiere nur an einem Platz verweilen, gäbe es Nahrung für 200.000 Gnus, nicht für über eine Million – die Beute all der Raubtiere wäre dadurch nicht mehr gesichert. Beim durchqueren der Flüsse wartet die nächste Gefahr, denn dort lauern Krokodile. Außerdem erwartet die Gnus teilweise eine starke Strömung beim Überqueren der Flüsse, die die schwache Tiere mitreißt.

Migration Kenia Tansania

Tansanias Regierung plant den Bau einer Straße, den Serengeti Highway, der quer durch den Serengeti Nationalpark und somit auch auf voller Breite durch die Wanderungswege der Tiere führen soll. Der Bau der Straße soll helfen das infrastrukturell schlecht ausgestattete Land voran zu bringen und wichtige Knotenpunkte durch direkte Verbindungen leistungsfähiger zu machen. Aber um Kollisionen von Fahrzeugen und Tieren zu verhindern, müsste die Straße eingezäunt werden. Dies wäre das Ende dieses Naturschauspiels, von dem es nicht mehr viele auf der Welt gibt. Die Tiere könnten nicht mehr dem Regen folgen und somit ihre Ernährung sicherstellen.

Andererseits haben die Gebiete nicht mehr die Möglichkeit, sich in den Zeiten, in denen die Tiere nicht in diesem Gebiet sind, zu erholen. Nach Berechnungen zufolge würde das Gebiet nur für 200.000 der 1,2 Millionen Gnus bieten, wenn die Tiere nicht mehr die Möglichkeit hätten, dem Regen nachzuziehen. Diese Veränderung hätte Auswirkungen auf das komplette Ökosystem der Serengeti, sie würde eine Kettenreaktion mit sich bringen und vermutlich würden die ohnehin schon bedrohte Tierarten ausrotten. Die Hoffnung bleibt, dass ein Alternativplan der Regierung entwickelt wird, um diese Katastrophe zu umgehen.

Video zur Großen Tierwanderung